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Prostata-Karzinom
Die kurative Standardtherapie des Prostatakrebses ist die radikale Prostatektomie (perineal oder suprapubisch deszendierend) In frühen Stadien kann der Eingriff mit sehr gutem Erfolg auch potenzerhaltend durchgeführt werden. Zudem führen wir auch in selektionierten Fällen die Brachytherapie des Prostatakarzinoms durch. Hierbei werden ultraschallgesteuert dauerhaft Strahlenquellen in die Prostata eingepflanzt. Zudem besteht in unserem Hause die Möglichkeit der perkutanen Strahlentherapie (Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie). Für fortgeschrittene Erkrankungsstadien stehen die antihormonelle Therapie, die Chemotherapie sowie die Rheniumtherapie (Klinik für Nuklearmedizin) zur Verfügung.
Zur Entscheidungsfindung hinsichtlich der optimalen Therapieform bieten wir gemeinsam mit den Kollegen der Klinik für Strahlentherapie und Radionkologie eine Prostatakarzinomsprechstunde an, welche jeden Freitag um 14:00 stattfindet.
In den letzten 12 Jahren führten wir ca. 2.000 radikale Prostatektomien durch, wovon ca. 10% von perineal, d.h. vom Damm operiert wurden. Das letztgenannte Verfahren wird bei Patienten älter als 65 Jahre mit einem sehr frühen Tumorstadium angewandt mit dem Vorteil, dass bereits nach ca. 1 Woche der Patient wieder entlassen werden kann. Seit Einführung der Brachytherapie wird das Operationsverfahren vom Damm nur noch selten durchgeführt. Die meisten Patienten werden suprapubisch, d.h. per Bauchschnitt operiert, wobei im frühen Erkrankungsstadium die für die Potenz wichtigen Gefäß-Nervenbündel erhalten werden können. Zwei Jahre nach Zertifizierung des Prostatazentrums wurden im Dezember 2010 die Ergebnisse der radikalen Prostataentfernung aktualisiert. Insbesondere die Rate an Anastomosenengen konnte nochmals von 4,2% auf 0,9% gesenkt werden. Ebenso lag die Rate an Wundheilungsstörungen bzw. Wundinfekten hier bei nur 1,7%, die Vorgabe der Deutschen Krebsgesellschaft liegt bei 5%. Die Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft für die maximalen R1-Raten, d. h. Operationen mit tumorbefallenen Schnitträndern bei organbegrenzten Tumoren (pT2), liegen bei 10%, in unserem Hause liegt die R1-Rate für die Zeitdauer des Bestehens des Prostatazentrums bei nur 5,8%. Ebenso erfreulich: Wir können über stabile funktionelle Ergebnisse auf hohem Niveau berichten. Die Rate der vollständig kontinenten Patienten liegt bei knapp 90%, wobei hier noch nicht zwischen Patienten mit und ohne Nerverhalt bzw. verschiedenen Altersklassen unterschieden wurde - bei bilateraler nerverhaltender Operation jüngerer Patienten sind die Kontinenzraten nocht deutlich höher. Patienten, die eine hochgradige Inkontinenz postoperativ zeigen, sind erfreulicherweise eine Rarität. Die Potenzraten nach nerverhaltender radikaler Prostatektomie sind differenziert zu betrachten. Bezogen auf ein präoperativ vollständig potentes Kollektiv, welches von uns mindestens ein Jahr nachbeobachtet werden konnte, zeigen sich, je nach dem wie eine geschlechtsfähige Erektion interpretiert wird, Potenzraten zwischen 75% (Alter unter 55 Jahren, beidseitiger Erhalt bei der für die Potenz notwendigen Gefäßnervenbündel) und unter 20% (über 65 Jahre, nur einseitiger Potenzerhalt). Man erkennt, dass der wichtigste Faktor für das Wiedererlangen der Potenz postoperativ das Alter des Patienten bei der Operation darstellt. Junge Patienten und ein beidseitiger Nerverhalt ist (als Faustformel) "mehr als doppelt so gut" wie ein einseitiger Nerverhalt. Die Chance zur Wiedererlangung der Potenz ist bei beidseitigem Nerverhalt für einen jungen Patienten (<55 Jahre) fünfmal größer als für einen Patienten, der zum Zeitpunkt der Operation älter als 65 Jahre war. Aufgrund der standardisierten OP-Technik sind nur noch in Ausnahmefällen Bluttransfusionen notwendig. Die Möglichkeit einer präoperativen Eigenblutspende ist dennoch gegeben.

Penis-Karzinom
Das Peniskarzinom ist eine seltene Tumorerkrankung, die in Abhängigkeit von der Tumorausdehnung durch lokale Tumortherapie (z. B. Laserung) oder partielle/komplette Penisentfernung behandelt wird. Hieran kann sich eine Lymphknotenentfernung in der Leistenregion, selten des Beckens anschließen. In unserer Klinik wird neuerdings in ausgesuchten Fällen die Rekonstruktion der Eichel aus vom Oberschenkel entnommener Spalthaut angeboten mit gutem kosmetischem Ergebnis.
Blasenentleerungsstörung bei gutartiger Prostata-Vergrößerung
Bei operationsbedürftiger mittelgradiger bis starker Prostatavergrößerung führen wir die transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P, “Prostatahobelung“ über die Harnröhre) durch, bei der maximal effektiv und komplikationsarm alles störende Gewebe bis auf die Prostatakapsel entfernt werden kann. Bei sehr starker Prostatavergrößerung erfolgt die transvesikale Adenomenukleation (TVP, Prostatateilentfernung mit Bauchschnitt). Pro Jahr führen wir ca. 270 TUR-Ps und 30-40 TVPs durch.
Bei Patienten mit Prostatavergrößerung und internistischen Begleiterkrankungen, insbesondere bei Einnahme gerinnungshemmender Medikamente wie Aspirin oder Marcumar, besteht seit einigen Jahren zudem die Möglichkeit der Entfernung des Prostatagewebes mit dem Thullium (Revolix) Laser. Dabei brauchen die Medikamente nur kurzzeitig abgesetzt zu werden, da neben dem Prostatagewebe auch Blutgefäße verdampft werden und damit praktisch kaum eine Blutungsgefahr besteht. Der Blasenkatheter kann meistens schon am ersten oder zweiten postoperativen Tag entfernt werden. Da dieses Verfahren auch bei sehr starker Prostatavergrößerung eingesetzt werden kann, kann die Revolix-Laserung in vielen Fällen die transvesikale Adenomektomie per Bauchschnitt ersetzen. In den letzten 3 Jahren wurden ca. 200 solcher Thullium-Laserungen in unserer Klinik durchgeführt, u. a. bei Prostatavergrößerung bis zu einem Gewicht von 150g.
Ureterorenaler Reflux oder Megaureteren bei Kindern
Ein wesentlicher Schwerpunkt in der Kinderurologie ist die Behandlung von Fehlbildungen des Urogenitaltraktes.
Mit Hilfe der Antirefluxoperation nach Lich-Gregoir kann ein Zurückfließen des Urins von der Harnblase in die Niere (vesikorenaler Reflux) mit potentieller Nierenschädigung behandelt werden. Bei diesem Verfahren wird der Harnleiter über eine bestimmte Strecke zwischen Blasenschleimhaut und Blasenmuskel verlagert, ohne die Blase zu eröffnen. Seit 1999 wurden mehr als 300 mal solche Operationen durchgeführt, wobei nur ein einziges Mal solch eine operative Revision notwendig wurde (99%-ige Erfolgsrate). Bei deutlich erweitertem Harnleiter werden die Kinder mit der Psoas-hitch-Technik versorgt. Bei diesem Verfahren wird der Harnleiter von der Blase getrennt, die Blase eröffnet und der Harnleiter wieder mit der Harnblase verbunden. Bei einer massiven Erweiterung wird der Harnleiter zusätzlich verschmälert (Harnleitertapering). Alternativ zur Infektprophylaxe, als auch zur Operation, ist auch die Unterspritzung mittels Deflux möglich. Diese Deflux-Unterspritzung ersetzt zunehmend die Langzeitantibiotikumsphrophylaxe und kann im Gegensatz zu dem o. g. offenen OP-Verfahren beidseitig eingesetzt werden. Die Komplikationsrate ist dabei vernachlässigbar, die Langzeiterfolgen liegen je nach Schwere bei bis zu 80%. So wurden 2010 in unserer Klinik ähnlich viele Defluxunterspritzungen (n=30) wie offene Antirefluxplastiken (n=30) vorgenommen.
Harnleiter-Abgangsenge bei Kindern und Erwachsenen
Die Nierenbeckenplastik (nach Anderson- Hynes) stellt hier das Routineverfahren zur operativen Korrektur dar.
Bei der Harnleiterabgangsenge kann der Urin nicht oder nur schlecht aus dem Nierenbecken in den Harnleiter abfließen. Zur Verbesserung des Harnabflusses muß das enge Harnleitersegment entfernt und der Harnleiter wieder mit dem Nierenbecken verbunden werden (Nierenbeckenplastik).
Urethraanomalien (z.B.Hypospadie, Harnröhrenklappe) bei Säuglingen und Kleinkindern
Es werden in der Kinderurologie zwischen 20 und 30 Kleinkinder pro Jahr von zwei erfahrenen Operateuren aufgrund einer Hypospadie operativ versorgt. Schwerpunktmäßig wird das Operationsverfahren nach Snodgrass bei gering bis mäßig ausgeprägter Hypospadie angewandt. Bei sehr ausgeprägten Formen (z. B. kann die Harnröhre im Hodensack münden) wird die Harnröhre meist mit Mundschleimhaut ggf. mit Vorhaut oder Penisschafthauttransplantat rekonstruiert.
Harninkontinenz-Operation
Zur operativen Therapie der Harninkontinenz und ggf. Korrektur von Beckenbodenveränderungen führen wir regelmäßig verschiedene Operationen durch. Dies sind zum einen minimalinvasive Verfahren wie das Tension-free vaginal tape (TVT), oder die transobturatorische Bandeinlage (TOT), wobei jeweils ein Kunststoffband um die Harnröhre gelegt wird (in den letzten Jahren über ca. 300 Eingriffe).
Zum anderen sind dies offen-chirurgische Verfahren wie die Kolposuspension nach Burch (in den letzten Jahren über 60 Eingriffe), die Sakropexie (in den letzten Jahren über 60 Eingriffe) sowie die Faszienzügelplastik neben dem Verschluß von Blasen-Scheidenfisteln aus unterschiedlichsten Gründen. Ein Inkontinenzzentrum ist im Aufbau begriffen.
Bei komplexen Fällen erfolgt eine enge Kooperation mit der Frauenklinik, ggf. auch mit der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie im Hause.
Im Falle der hochgradigen Harninkontinenz des Mannes ist die Implantation eines künstlichen Schließmuskels ein bewährtes Verfahren, welches wir seit Jahren regelmäßig mit gutem Erfolg anwenden. Von ca. 40 bislang implantierten Schließmuskelprothesen sind nach bis zu 6-jähriger Verlaufsbeobachtungszeit noch 80% voll funktionsfähig mit entsprechend wiederhergestellter Harnkontinenz. Bei geringradiger Harninkontinenz des Mannes führen wir das verhältnismäßig neue Verfahren der Einlage einer „male sling“ durch, ein minimalinvasives Verfahren ähnlich den Bandplastiken bei der Harninkontinenz der Frau.