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Blumenfenster

Das Blütenornament in der Kapelle des Klinikums in Fulda

Beim Betreten der Kapelle des Klinikums in Fulda gelangt man durch einen Eingang nach wenigen Metern in den Sakralraum. Der Blick wird bald auf die Fensterseite gelenkt, deren ganze Breite ein Blütenornament einnimmt. Es wurde geschaffen von der Künstlerin Agnes Mann (1907-1994), die mehr als 50 Jahre in der Rhön gelebt hat und in der Region sowie darüber hinaus mit vielen Kunstwerken präsent ist.

Wer sich etwas Zeit nimmt zum Betrachten des gegliederten Werkes, kann bald nachempfinden, was die Künstlerin gestalten wollte und mit ihren eigenen Worten zum Ausdruck gebracht hat: „In der Kapelle soll eine Atmosphäre geschaffen werden, die die Besucher zur Ruhe und Besinnung kommen lässt. Ich habe mich bei diesem Blütenornament bewusst auf den kranken Menschen eingestellt, jede aggressive Formgebung vermieden und glaube, dass durch die eingestreuten Rundformen ein Spiel entstanden ist, das sogar Freude auslösen kann, in das man sich hinein träumen könnte.“ Mit diesen Worten stellte sie 1974 ihren Entwurf der Stadt Fulda als Auftraggeberin vor.

Die Kapelle ist integrativer Teil des Klinikums. Sie gehört in den Gesamtauftrag eines Hauses, nämlich Menschen medizinisch leben zu helfen und mitunter auch würdig im Sterben zu begleiten. Hier ist ein Raum zum Nachsinnen und Meditieren für Kranke und Gesunde, für ärztliches und pflegerisches Personal sowie für Besucher des Klinikums.

Zunächst wirkt das Blütenornament aus Betonglas wie eine Abfolge von mehr oder weniger einander zugeordneten Elementen unterschiedlicher Form und Größe. Im Gesamteindruck dominiert beim ersten Betrachten ein Kontrast von schwarz und weiß, von Dunkel und Licht. Das Ornament ist transparent, es lässt Licht herein. Dieses durchdringt das Dunkle und bricht es auf; was dunkel ist, wirkt nicht mehr einengend oder bedrohlich. Betonglas  -  dieses Ineinander von Undurchdringlichem und Transparentem, von Schwerem und Leichtem symbolisiert etwas von der Erfahrung, der sich Kranke besonders intensiv ausgesetzt erleben. Hier sehen sie sich nicht einer undurchdringlichen Wand gegenüber. Das Dunkle ist durchbrochen und aufgehellt. Licht fällt in den Raum, vielleicht auch ins Innere, ins Gemüt, in die Seele.

Das Wechselspiel von Dunkel und Licht gewinnt durch die Ornamentik eine weitere Dimension: Die Augen folgen den kantigen und runden Formen und bündeln sie zu Mustern. Alle sind der Blumenwelt abgeschaut, wenngleich sie von dieser abstrahieren und keine einzige bekannte Blume realistisch abbilden. Die Augen suchen natürlich etwas zu identifizieren und spielen mit den einzelnen Elementen. Oder wie Agnes Mann es formuliert hat: „… in das man sich hinein träumen könnte.“ Der Augensinn - sehen - leitet durch das Augenspiel auf einen inneren Weg: Wie kommt es zum Zusammenspiel der Elemente, vielleicht auch der verschiedenen Elemente und Phasen des eigenen Lebens? Wie passt das zusammen: Krank sein und leben wollen? In allen Kanten und Spitzen seiner Existenz ist auch zu erkennen, wie vieles dennoch „rund“ ist, wenngleich noch nicht abgerundet, gelungen, heil.

Dieses Meditationsfenster ist gerade in seiner Einfachheit aussagestark. Es fällt beim Eintreten in die Kapelle auf und fällt mit seinen Kontrasten von Licht und Dunkel in die Seele. Wer sich dieser Wirkung öffnet und aussetzt, kann eine Ahnung gewinnen von der Transparenz des menschlichen Lebens: in allem Dunkel und Leid kann es licht werden, wenn auch nicht unbedingt leicht; aber vieles erträgt und trägt sich leichter, wenn man spürt, dass die Existenz nicht reine Harmonie ist. Die Zusammenschau der Bildelemente signalisiert jedoch, dass im Zusammenspiel der angenehmen und der leidvollen Erfahrungen alles einen Sinn gewinnt, wenn das Innere unserer Existenz auch das Dunkle einordnen und annehmen kann.

Das ist der „Dienst“, den das Blütenornament im Klinikum Fulda in aller Ruhe und Beschaulichkeit Kranken und Gesunden vermitteln kann.

Claudius Groß OFM

 

Die Glas-Fensterwand in der Kapelle des Klinikums Fulda.

Im Mai 1973 forderte der Magistrat der Stadt Fulda sechs Künstlerinnen und Künstler auf, Entwürfe für das Fenster der Kapelle im Neubau des Städtischen Krankenhauses ( heute Klinikum Fulda) einzureichen.
Bis März 1974 waren vier Entwürfe eingegangen, nämlich von Agnes Mann, Güntersberg; Jochem Poensgen, Düsseldorf; Alois Johannes Blum, Weisenau und Alexander Deisenroth, Fulda. Sr. Lioba Munz OSB, selbst eine begnadete Künstlerin, und Prof. Dr. Ludwig Pralle, anerkannter Kunstsachverständiger, wurden vom Magistrat als Berater zugezogen.  Beide empfahlen den Entwurf von Agnes Mann.
Ein einziger Einwand von der Planungsgruppe des Klinikums war, „das Fenster müsse lockerer gestaltet werden“.
Mit ihrer Erfahrung als Lazarettschwester in Polen und Russland verteidigte sie ihren Entwurf leidenschaftlich wie überzeugend.
„In der Kapelle soll eine Atmosphäre  geschaffen werden, die die Besucher zur Ruhe und Besinnung kommen lässt. Ich habe mich bei diesem Blütenornament bewusst auf den kranken Menschen eingestellt, jede aggressive Formgebung vermieden und glaube, dass durch die eingestreuten Rundformen ein Spiel entstanden ist, das sogar Freude auslösen kann, in das man sich hinein träumen könnte. Ich bleibe bei meinem Entwurf!“
Für Agnes Mann war lebenslang Kunst mit Verkündigung des Glaubens verbunden.  Dafür stehen viele Arbeiten im Fuldaer Land als Zeugen.
Einige Beispiele: St. Lukas und St. Antonius, Fulda, Kreuzweg und Fenster;
St. Bonifatius, Hünfeld: Ambo und Ewig-Licht-Ständer;
Wendelinuskapelle, Wachtküppel: Wandkreuz und Bildstock am Weg;
Ententeich mit Franziskusstatue auf dem Frauenberg;
Als eines ihrer herausragenden Werke gilt das 1972 geschaffene überwältigende Mosaik mit Bronzeplastik in der Gedächtniskapelle für den Krieg „In me mori“ im Paderborner Dom.

Am 24. Juni 1974 fiel die Magistratsentscheidung bei zwei Enthaltungen einstimmig.
Die technischen Arbeiten wurden dann auf Vorschlag von Agnes Mann an die W. Derix Werkstätten für Glasgestaltungen, Rottweil/Taunusstein vergeben.

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