Telefon der Zentrale

(0661) 84 - 0

Telefon der Notaufnahme

(0661) 84 - 6147

Pacelliallee 4, 36043 Fulda
Anfahrt planen

Medizinische Klinik I

Dr. BERND MARK
ALLES, WAS MENSCHLICH IST, SOLLTE MAN MACHEN.

Für Dr. Bernd Mark, Leitender Oberarzt der medizinischen Intensivstation des Klinikums Fulda, ist die Intensivstation der Ort, das Leben des Patienten ganzheitlich zu sehen.

„Wir nehmen den Patienten in der Medizin heute meist organfokussiert in den Blick. Herz. Lunge. Nieren, beispielsweise. Dafür gibt es jeweils eigene Fachabteilungen. Patient im Mittelpunkt. Es ist die Aufgabe der Intensivmedizin“, sagt Bernd Mark, „alles wieder zu bündeln und den Menschen ganzheitlich zu sehen. Wir behandeln nicht eine Erkrankung, sondern sehen den Patienten im Mittelpunkt. Wir fragen, wie er nach der Behandlung weiterleben wird, wie er aufgefangen werden wird im sozialen Netz der Familie und am Arbeitsplatz.“ Bernd Mark, nach eigenen Worten 1967 in der „Vor Smartphone- Ära“ am linken Niederrhein geboren, kam im Zivildienst in Kontakt mit der Medizin. Die Tätigkeit als Rettungssanitäter  befriedigte einerseits seine Technikbegeisterung, während ihn anderseits der direkte Kontakt zum Menschen ansprach. Vom Zivildienst „angefixt“ wandte er sich der Medizin, speziell der Kardiologie und später schwerpunktmäßig der Notfall- und Intensivmedizin zu. Nach dem Studium in Aachen, nach mehr als zwanzig Jahren Dienst als Notarzt und vielen Jahren klinischer Tätigkeit am Niederrhein sowie in Ludwigshafen kam er 2017 nach Fulda, als neuer Leiter der medizinischen Intensivstation, die zur von Prof. Dr. Volker Schächinger geleiteten Medizinischen Klinik I gehört. „Dass ich in der intensiven Phase einer Erkrankung dem Patienten helfen kann.
Dass ich den Patienten begleiten kann und Teil eines Lebensabschnitts werde, das fasziniert mich an der Intensivmedizin“, sagt der Kardiologe.

Interaktion in einem spannungsgeladenen Zustand

Medizin hat Bernd Mark im Rettungswesen wie auf der Intensivstation als „Interaktion in einem besonderen, spannungsgeladenen Zustand“, als „ein Handeln in nicht wirklich standardisierbaren, planbaren Situationen vor dem Hintergrund eines komplexen sozialen Gefüges“ erlebt.

Wir brauchen die Familie

Bernd Mark schildert seine Suche nach den Koordinaten im Leben des Patienten: „Wir suchen uns einen Hauptansprechpartner in der Familie, damit unsere Information nicht ziellos in die Breite geht. Und wir brauchen die Familie, denn der Patient kann sich nach einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall, wegen einer Hirnverletzung oder einer Lungenentzündung mit einem schweren Verlauf vielfach selbst nicht äußern. Wegen der Krankheit oder der Therapie ist er häufig ohne Bewusstsein. In Gesprächen mit den Angehörigen wollen wir herausfinden, wie der Alltag im Leben des Patienten aussah. Lebte er allein? War er körperlich aktiv oder ein Kopfmensch, dessen Welt die Bücher und Medien sind?“. Auf der Intensivstation habe die Familie die Chance, Teil des Behandlungsprozesses zu werden. Über die Jahre haben die Menschen, die auf der Intensivstation arbeiten, einen Katalog von Fragen und eine Art des Fragens entwickelt, um das zu erfahren, was dem Patienten am meisten und am besten helfen kann. „Denn wir behandeln häufig an der Substanz des Lebens“, sagt Bernd Mark: „Wir überwachen Atmung und Kreislauf, verfolgen das Schwanken auf dem schmalen Grat zwischen Lebensgefahr und beginnendem Lebensende. Um dann richtig zu entscheiden und zu behandeln, brauchen wir Kenntnis von diesem einen Menschen. Was will er? Was würde er nicht akzeptieren?“

Auseinandersetzung mit der Lebenshistorie

Die häufig standardisiert und formal abgefassten Patientenverfügungen helfen Bernd Mark und dem behandelnden Team grundsätzlich, aber nicht unbedingt im Einzelfall, weil sie nicht auf die jeweilige Situation maßgeschneidert sind: „Sie bilden häufig nicht ab, was wir im Kontakt mit dem Patienten und den Angehörigen erleben. Das Leben hält Situationen bereit, die wir uns im Vorhinein weder vorstellen wollen noch können. Darum benötigen wir die Auseinandersetzung mit der Lebenshistorie, denn dieser eine Mensch steht bei uns auf der Intensivstation so intensiv im Mittelpunkt wie vermutlich sonst noch nirgends in seinem ganzen Leben.“

Ganzheitliche Betrachtung des Menschen

Dann ist das Team gefordert, Gegensätzliches zusammenzuführen, den individuell richtigen Weg zu finden zwischen den mannigfachen Möglichkeiten, die die Weiterentwicklung und die fortschreitende Spezialisierung der Medizin eröffnen. Es ist eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen. Es ist ein Abwägen zwischen Machbarkeit und Menschlichkeit. „Nicht alles, was man machen kann ist menschlich. Aber alles, was menschlich ist, sollte man machen.“, sagt Bernd Mark. „Wir müssen Gegensätze auflösen in unserer Entscheidung.“

Stets wachsende Zahl neuer Optionen

Als Chance schildert er den medizinisch-technischen Fortschritt, die stets wachsende Zahl neuer Optionen. Früher wurde ein Herzinfarkt ausschließlich mit Medikamenten behandelt, dann kamen technisch- chirurgische Möglichkeiten hinzu. Heute ersetzt die schonende Dehnung eines verengten Gefäßes mit einem eingeführten aufpumpbaren Ballon die Operation am offenen Herzen.  Neue technische Möglichkeiten – wie eine leistungsstarke, portable und miniaturisierte Maschine zum Ersatz der Herzund Kreislauffunktion – bringen die technischen Möglichkeiten der Intensivmedizin heute aus dem Klinikum unmittelbar an den Unfallort oder in das zu Hause eines Patienten. „Wir entscheiden dann unter Zeitdruck, ob das die richtige Therapie für diesen Patienten ist. Dabei gibt es zwei komplett gegensätzliche Risiken für den Patienten. Neben das Risiko, dass der Kreislaufstillstand nicht umkehrbar ist, tritt das Risiko, dass wir den Patienten in ein organisches Leben zurückholen, in das er nicht geholt werden wollte“, spricht Bernd Mark ein Dilemma an, das der Fortschritt den Entscheidern in der Medizin immer wieder von neuem zumutet.

Gemeinsames Handeln

Neben den technischen Möglichkeiten verändert sich auch die Art der Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen und Fachdisziplinen. Gemeinsames Handeln ist Voraussetzung, um den Patienten ganzheitlich in dem Blick zu behalten. Darum arbeiten Ärzte vieler Disziplinen, Pflegekräfte sowie weitere Berufsgruppen, etwa Physiotherapeuten und Logopäden, gemeinsam an und mit dem Patienten. Auch die Hausärzte werden einbezogen. „Die Zeit der heroischen Medizin, in der ein grober Keil auf einen groben Klotz traf, ist vorüber“, sagt Bernd Mark. Davon hätten ohnehin meist nur die aussichtsreichsten Patienten profitiert. „Indes werden die Übergänge zwischen den Berufen fließender. Wir haben in Fulda am Klinikum jetzt auch Atmungstherapeuten. Die kommen aus der Pflege und sind dank ihrer Kompetenzen immer näher an den ärztlichen Beruf herangerückt“, beschreibt Bernd Mark eine von vielen Veränderungen in der modernen Medizin.

Paradigmenwechsel durch Neubau

Auch der Neubau des INO-Zentrums steht für Veränderung, ja für einen Paradigmenwechsel. In ihm ist eine neue, ganzheitliche Sicht auf den Menschen gleichsam zu architektonischer Struktur geworden. „Da rücken wir in vielen Dingen näher zusammen“, sagt Bernd Mark. Im zweiten Stock, neben die Medizinische Intensivstation, wird die neue Intermediate-Care- Station (IMC) ziehen, eine Zwischenstufe zwischen Normal- und Intensivstation. Auch eine Weaning-Station wird eingerichtet. „Wir wollen das Kontinuum in der Behandlung und Pflege des einzelnen Patienten in den Strukturen besser abbilden“, erläutert Bernd Mark die Anordnung der Einheiten nebeneinander. Auf der IMC-Station können stabilisierte Patienten sicher in unmittelbarer Nähe der Intensivstation weiterversorgt werden. Eine wesentliche Aufgabe der Weaning-Station ist die vollständige Entwöhnung der Patienten von einer längeren künstlichen Beatmung. Dazu kommen eine CPU, eine „Chest-Pain- Unit“, also eine „Brust- Schmerz-Einheit“, und künftig auch eine HFU, eine „Heart-Failure-Unit“ oder „Herz-Versagen/ Schwäche-Einheit“.

Chance durch Bündelung

Bernd Mark schildert „die Bündelung dieser speziellen Versorgungsmöglichkeiten als Chance, die sich uns durch die Grundkonzeption des Neubaus erschließt. Für uns ist das der technische und infrastrukturelle Sprung, der uns auf Augenhöhe mit einem Universitätsklinikum bringen kann. Und das ist ein großer Vorteil für den Patienten. Die Menschen in und um Fulda haben wirklich etwas davon, denn wir können nun Patienten selbst mit schwersten Krankheitsverläufen hier in der Region behandeln, ohne ihn risikoreich verlegen zu müssen. Und für mich persönlich ist es reizvoll, dass ich diesen Prozess des Wandels hinein in eine neue Qualität der Versorgung mitgestalten kann.“

Bleiben Sie mit uns in Kontakt - Ihre Fragen und Anregungen sind uns wichtig!

Jetzt Kontakt aufnehmen →