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Geschichte Klinikum Fulda

Gründerjahre

Am 6. Dezember 1802 hält Erbprinz Wilhelm Friedrich von Oranien Einzug in Fulda. Das Hochstift gehört zu den Entschädigungen, die den Oraniern im Mai 1802 von Napoleon und Preußen zugestanden worden waren. Damit ist das Ende des traditionsreichen geistlichen Fürstentums Fulda besiegelt. Der letze Fürstbischof, Adalbert III., verlässt das Schloss und beziegt das gegenüberliegende heutige Stift Wallenstein. Dennoch ist die kurze Regierungszeit des oranischen Prinzen (bis 1806) für die Domstadt in mancher Hinsicht durchaus segensreich, denn Fuldas erster weltlicher Herrscher erweist sich als ein verantwortungsbewusster Mann, vor allem in sozialer Hinsicht. Die noch aus dem Mittelalter stammenden Fuldaer Spitäler Heilig Geist, St. Leonhard, St. Nikolaus und St. Katherin entsprechen längst nicht mehr den Bedürfnissen. Als die oranischen Hofräte dem Landesfürsten „untertänigst“ den Bau eines neuzeitlichen Krankenhauses vorschlagen, finden sie Gehör. Die Stiftungsurkunde vom 22. Oktober 1805 nennt die Motive: „Bekannt mit dem mannigfachen Elende, welchem Dürftige bei Krankheiten und dergleichen Zufällen ausgesetzt sind, zur Linderung dieses traurigen Loses so mancher armen Familien“ ordnet W. F. von Oranien an, in Fulda „eine allgemeine Land-Kranken-Anstalt, in Verbindung mit Entbindungs-Institute und einer Irrenanstalt“ zu errichten.

Damit Nägel mit Köpfen gemacht werden können, bestimmte Wilhelm Friedrich von Oranien, Fuldas erster weltlicher Herrscher (1802-1806), auch die Lokalität und regelt die Finanzierung. Als Standort ist das Gelände des Mitte des 18 Jh. erbauten, vor dem Stadttor Florengasse gelegenen Kapuzinerklosters ausgewählt, „mit allen Gebäuden, Gärten und sonstigen Zugehörungen“. Das Areal befindet sich außerhalb der Stadtmauern, im Hinblick auf Seuchengefahren eine ideale Voraussetzung. Es liegt auf einer „luftigen“ Höhe und verfügt über mehrere Brunnen. Als Startkapital wird eine Summe von 3.900 Gulden, in drei Jahren, jährlich mit zehntausend Gulden aus Unserer Dispositionskasse zahlbar, insoweit solche dazu erforderlich“.

Das Landkrankenhaus zu Fulda (Wilhelmhospital) auf einer Lithographie um 1825. Vorn der Coudray’sche Neubau, seitlich ein Teil des ehemaligen Kapuzinerklosters.

 

 

Die Planung für das neue Hospital überträgt man Clemens Wenzeslaus Coudray, der später als „Architekt Goethes“ in Weimar das Stadtbild prägen wird. Er ist seit 1804 Hofarchitekt und im ehemaligen Fürstbistum Fulda ein viel beschäftigter Mann: Ihm obliegen u.a. die Restaurierungen im Stadtschloss und die Umgestaltung des Kurorts Brückenau. Coudrays Vorgabe für das Krankenhaus lautet, die relativ gut erhaltenen Gebäude des Kapuzinerklosters herzurichten und zu erhöhen sowie einen Erweiterungsbau zu erstellen. Der Hofarchitekt legt zunächst mehrere Entwürfe vor und im April 1806 dann einen erweiterten Plan, der vom Fürsten rasch genehmigt wird.

 

Das Konzept sieht eine dreiflügelige Anlage vor: ein dreistöckiges neues Hauptgebäude, verbunden mit den frühen Klostertrakten. Am 21. Juli 1806 kann der Grundstein gelegt werden und in 1810 ist der Neubau vollendet. Ein Meisterwerk! Mit seinen strengen, klaren Formen ist das „Wilhelmhospital“ der bedeutenste klassizistische Bau Fuldas. Die zweckmäßige Raumaufteilung gilt als Muster früher funktionaler Architektur. Selbst große Residenzstädte der damaligen Zeit errichte vergleichbare Anlagen erst später. Im Gegensatz zu den früher üblichen großen, auf einem Kirchenraum ausgerichteten Krankensälen sieht Coudray, orientiert am Krankenhaus Bamberg, viele kleinere Krankenzimmer vor und legt besonderen Wert auf Hygiene und Komfort. So sind die schwenkbaren Nachtstühle der Patienten von einem Zwichenflur aus zu entleeren und alle Zimmer lassen sich vom Gang aus beheizen. Insgesamt weist das neue Krankenhaus über hundert Betten, „männliche und weibliche Bäder“ sowie zahlreiche Funktionsräume auf.

Kurzum: Als das Landkrankenhaus aller politischen Wirren der Zeit zum Trotz fertig gestellt ist, kann man in Fulda stolz darauf sein. Dies wird gut anderthalb Jahrhunderte später von der Stadt Fulda auch ausdrücklich gewürdigt. Ein vom Amt 41 im Februar 1978 vorgelegtes Gutachten zum Denkmalwert des einstigen Landkrankenhauses kommt zu folgendem Schluss: „Da es sich bei dem in Fulda erhaltenen Krankenhausgebäude wohl um das einzige außerhalb des ehemaligen Territoriums von Sachsen-Weimar erhaltene, von Coudray entworfene Baudenkmal handeln dürfte, kommt dem Bau ein erheblicher kunsthistorischer Wert zu. … Im Stadtbild von Fulda wird dieser Teil des ehemaligen Landkrankenhauses daher die Erinnerung an den einen wichtigen, wenn auch nur kurzen Abschnitt der Stadtgeschichte zu bewahren helfen“.

Im frühen 20. Jahrhundert

Der Bericht des Arztes Xaver Martin gibt Einblick in die Entwicklung im frühen 20. Jahrhundert. Laut Martin hat das Krankenhaus in den 20er Jahren im Schnitt 270 Patienten, die von wenigen Ärzten unter der Leitung des Chirurgen Dr. Paul Gunkel betreut werden. Nach seinem Amtsantritt (1904) wird eine Chirurgische Klinik eingerichtet, ab Ende des Ersten Weltkriegs ergänzt durch eine Innere Klinik. Während früher bei nächtlichen Notfällen der Arzt mit einer Dampfpfeife herbeigerufen werden musste, ist in den 20er Jahren bereits ein Tag- und Nachtdienst eingerichtet. HNO-Patienten werden noch von einem Belegarzt versorgt, die urologischen Fälle von einem Spezialisten aus Bad Brückenau. Die Geburtshilfe liegt im Argen: Bei Bedarf muss der Hausbursche eine Hebamme aus der Stadt herbeiholen. Nach und nach wird das Krankenhaus unter Dr. Gunkel ausgebaut.

Laboratorium und Röntgenabteilung kommen hinzu, und bis Ende der 30er Jahre entstehen neben Chirurgie und Innerer Klinik eine Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie, die Kinderklinik, die Augenklinik sowie die HNO-Klinik.

Der vermutlich erste Fuldaer Notarztwagen.

Die Stadt Fulda übernimmt die Trägerschaft

Im August 1936 teilt der Regierungspräsident in Kassel dem Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Danzebrink mit, der Bezirksverband Kassel erwäge, die Landeskrankenhäuser an die an ihrer Unterhaltung interessierten Stadt- und Landkreise abzugeben. Für den Bezirksverband ist die Verpflichtung zur Unterhaltung der Krankenhäuser eine Sonderaufgabe, die ihn im Vergleich zu anderen preußischen Gebietskörperschaften unverhältnismäßig stark belastet. Seit 1834 werden die Kranken von den barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul betreut.

Eindrücke vom Krankenhaus in der Edelzeller Straße aus den Jahren vor dem Umzug.

In Zukunft sollte es Aufgabe der unmittelbar betroffenen Städte und Landkreise sein, die für ihre Bevölkerung erforderliche Zahl von Krankenhausbetten bereitzustellen. Für die rund 120.000 von Fulda aus zu betreuenden Menschen wird eine Bettenzahl von 400 angenommen. Am 1. April 1937 geht das Landeskrankenhaus Fulda in den Besitz und die Verwaltung der Stadt Fulda über. Dabei ist man sich im Magistrat bewusst, „dass das gesamte Krankenhaus räumlich in keiner Weise den mit Recht zu stellenden Anforderungen genüge“ (OB Cuno Raabe). Der Kapitalbedarf für ein Aufbau-Programm wird auf 250.000 Reichsmark geschätzt.

 

 

 

 

Handlungsbedarf

Mit diesem Spezialfahrzeug wurden Patienten bei Bedarf von einem Gebäude zum anderen

1955 feiert Fulda das 150. Jubiläum seines Krankenhauses. Dessen Name hat in den anderthalb Jahrhunderten eine Metamorphose durchlaufen: vom „Landkrankenhaus“ übers „Landeskrankenhaus“ zum „Städtischen Krankenhaus“. Im Jubiläumsjahr verfügt es über 748 Betten (Fulda hat 47.000 Einwohner). Längst liegt das Hospital nicht mehr vor den Toren der Stadt, sondern an der südöstlichen Grenze der Innenstadt, ebenso weit vom Dom entfernt wie von den Wohnhäusern der Randgebiete Richtung Kohlhaus. Im Laufe der Zeit sind um den einst von Coudray geplanten Kern immer neue Gebäude entstanden, bis 1955 insgesamt siebzehn. Mit wachsender Beanspruchung werden die räumlichen Verhältnisse dann im Laufe der kommenden Jahre immer unzulänglicher. Die Stadt muss sich langsam etwas einfallen lassen …

Im Mai 1957 beauftragte der Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Alfred Dregger die Wirtschaftsberatung AG Düsseldorf zu untersuchen, was günstiger sei: die Sanierung der in die Jahre gekommenen Bausubstanz des Fuldaer Krankenhauses an der Edelzeller Straße oder ein Neubau. Das Ergebnis konnte nicht überraschen: Ein Neubau wurde empfohlen.

Lange Planung, kurze Bauzeit

Daraufhin erhielt das hessische Gesundheitsministerium Ende 1957 einen Bericht aus Fulda, mit der Bitte um Klärung, welche Rolle dem neuen Krankenhaus für das osthessische Versorgungsgebiet zugedacht werden sollte. Nach langen Verhandlungen fielen im August 1960 in Wiesbaden zwei weit reichende Entscheidungen: Der Neubau wurde genehmigt und zwar mit dem Status eines „Hauptschwerpunktkrankenhauses“. Die Stadt Fulda ihrerseits erklärte sich bereit, ein solches Vorhaben zu verwirklichen, sofern man sie finanziell dazu in die Lage versetzen würde. Denn ein Krankenhaus dieser Dimension konnte nur mit besonderer materieller Unterstützung des Landes Hessen realisiert werden.

Von Anfang an war es das Anliegen der Stadt, die Krankenhäuser der gesamten Region in die Planungen einzubeziehen. Zu diesem Zweck wurde eine Planungsgemeinschaft ins Leben gerufen, in der sich Vertreter der Stadt und der Landkreise Fulda, Hünfeld, Lauterbach und Schlüchtern zusammenfanden. Im Mai 1961 beauftragte der Magistrat das Deutsche Krankenhausinstitut Düsseldorf mit der Vorplanung des Neubaus, wobei von einem Bedarf von 700 Betten ausgegangen wurde. Die Standort-Entscheidung fiel im August 1963 für das 11 ha große Areal in der Pacelliallee, das nach Umgemarkungsverhandlungen mit der Gemeinde Künzell zur Verfügung stand.

Im Januar 1967 unterbreitete der damalige OB Dr. Dregger einen ersten Finanzierungsvorschlag. Danach sollten von der Stadt Fulda 7 Millionen Mark und vom Landkreis 5 Millionen beigesteuert, der Rest der mit 60–70 Millionen DM veranschlagten Baukosten vom Land Hessen aufgebracht werden. Eine entsprechende Entscheidung fiel im Oktober 1967 anlässlich eines Fulda-Besuchs von Staatsminister Heinrich Hemsath und Regierungspräsident Alfred Schneider. Man vereinbarte, die Planungen nun so voranzutreiben, dass 1970 mit dem Neubau begonnen werden könnte.

Im Frühjahr 1968 wurden aus 20 Bewerbungen drei Architekten in die engere Wahl gezogen. Eine Gutachterkommission wurde gebildet, die Krankenhaus-Neubauten in verschiedenen Städten besuchte. Am 10. Juni 1968 stimmte der Magistrat der Stadt Fulda dem Vorschlag der Kommission zu und erteilte dem Büro Köhler-Kässens (Frankfurt) den Planungsauftrag. Zur Koordination innerhalb der Stadtverwaltung wurde eine Krankenhausplanungsgruppe unter Leitung von Stadtbaurat Hans Nüchter eingesetzt.

Mittlerweile hatte sich das Auftragsvolumen auf rund 100 Mio. DM erhöht.

Im Dezember 1968 genehmigte der Magistrat Vorentwurf und Raumprogramm der Architekten, die ein neungeschossiges Bettenhaus vorsahen. Dieses Konzept wurde am 12. 2. 1969 vom Magistrat und den zuständigen Ausschüssen gebilligt, so dass nun auch der Planungsauftrag für die medizinische Einrichtung vergeben werden konnte. Nachdem sich die unterschiedlichen Standpunkte zu Detailfragen angenähert hatten, genehmigte der hessische Sozialminister im Juni 1970 das Raum- und Funktionsprogramm. Allerdings gab die Stadt noch nicht den Startschuss für den Baubeginn, weil OB Dr. Dregger zuvor die Finanzierung der Betriebskosten verbindlich geklärt wissen wollte. Dennoch ließ man die Architekten an der Entwurfs- und Ausführungsplanung arbeiten, und im Juli 1970 beschloss der Magistrat auch eine Veröffentlichung der Ausschreibung.

Im Dezember 1970 übernahm Dr. Wolfgang Hamberger als Oberbürgermeister in Fulda die Verantwortung. Nachdem aufgrund der immer schwieriger werdenden Verhältnisse im Altbau der Druck sowohl der Ärzteschaft als auch der Öffentlichkeit ständig stieg, schlug der neue OB kurze Zeit nach seinem Amtsantritt vor, den Baubeginn zu wagen. Diese Entscheidung fiel Dr. Hamberger dadurch etwas leichter, als sich ein Krankenhausfinanzierungsgesetz abzeichnete und er davon ausging, dass dieses Gesetz bis zur Fertigstellung des Fuldaer Neubaus Rechtskraft erlangen würde. Der Prozess der Auftragsvergabe erhielt aber neuen Zündstoff, weil die Landesregierung im Geiste der neuen Ostpolitik eine rumänische Staatsbaufirma berücksichtigt wissen wollte. Die absolut unbefriedigenden Ergebnisse einer Informationsreise nach Rumänien hatten jedoch nach einem schwierigen Prozess der politischen Meinungsbildung die Folge, dass die Rohbauarbeiten in deutscher Hand blieben. Am 5. 7. 1971 konnte mit den Erdarbeiten begonnen werden, am 15. Oktober 1971 erfolgte die Grundsteinlegung – und etwa vier Jahre später war das Werk vollbracht.

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