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Harnableitung

Nach Entfernung der Harnblase wegen Harnblasenkrebs, bei Schrumpfblasen nach Strahlentherapie, der sogenannten interstitiellen Zystitis oder auch bei bestimmten Formen der Blasenlähmung ist es notwendig, den Urin über die Harnleiter in Ersatzblasen umzuleiten (siehe Therapie des muskelinfiltrierten Harnblasenkarzinoms). Im Klinikum Fulda werden sämtliche Formen der inkontinenten (nassen) und kontinenten (ohne sichtbares Stoma) Harnableitungen angeboten.

Bei Männern streben wir die Bildung einer Ersatzblase (Neoblase) aus etwa 55 cm Dünndarm an, worin die die beiden Harnleiter eingepflanzt werden. Das untere Ende der Neoblase wird an die belassene Harnröhre des Patienten angenäht, worauf der Patient sowohl lernen muss, den Urin per Bauchpresse über die eigene Harnröhre zu entleeren als auch den verbliebenen willkürlichen äußeren Schließmuskel der Harnröhre soweit zu trainieren, dass er keinen Urin verliert. In den letzten 19 Jahren wurden ca. 350 Neoblase in unserer Klinik operiert mit exzellenten Ergebnissen. Mit Hilfe der in unserer Klinik angewandten sogenannten Wallace-Technik, der gemeinsamen Einpflanzung der Harnleiter in den Darm, tritt die unangenehme, auch bei optimaler Technik nicht immer zu vermeidende Komplikation der narbigen Engenbildung der Harnleiter am Übergang in das Darmreservoir bei nur 1,5% der Patienten auf, was international ein sehr niedriger Wert ist. Auch sind mehr als 90% unserer Patienten tagsüber komplett kontinent, nachts bedürfen etwa 10-15% einer Sicherheitsvorlage, was für die Patienten insbesondere nachts kein Problem darstellt. Auf diese Weise können die betroffenen Männer ein ganz normales Leben ohne Urinausgang führen.

Bei Frauen oder bei Männern mit zusätzlich entfernter Harnröhre bzw. nicht funktionstüchtigem Harnröhrenschließmuskel oder bei Blasenlähmung führen wir in heilbaren Stadien den sogenannten Nabel- oder Ileocaecal-Pouch als Harnableitung durch. Dabei wird aus dem Übergang der Dünn- und Dickdarmregion ein Reservoir geschaffen mit einem Kontinenzmechanismus – meist unter Verwendung des eigenen Wurmfortsatzes –,der in die Tiefe des Nabeltrichters eingepflanzt wird. Hierüber können die Patientinnen / Patienten dann über einen Einmalkatheter den Urin entleeren. Sie haben insofern keinen sichtbaren Ausgang und können mit dem Stoma ein ganz normales Leben führen inkl. Sport und erhaltenem „Body-Image“. Diese Operation ist relativ kompliziert und bedarf insofern einer großen operativen Erfahrung, weswegen sie in vielen Kliniken in Deutschland nicht angeboten wird. Wir führen diesen Eingriff regelmäßig mit Erfolg durch. Gleichzeitig werden uns regelmäßig bundesweit Patienten zugewiesen zur Korrektur von Komplikationen dieser Form der Harnableitung. Bei ca.100 durchgeführten Pouches war es nur bei 4 Patienten notwendig, wegen Problemen mit dem Stoma eine Nachoperation durchzuführen, was in allen Fällen erfolgreich war.

Darüber hinaus wurde in der Klinik ein Kontinenzmechanismus entwickelt, den wir hauptsächlich zur Korrektur defekter Kontinenzmechanismen an Neoblasen anwenden. Hierzu werden Patienten aus ganz Deutschland in Fulda vorgestellt (sog. Fulda Nippel). Dieser Mechanismus kann auch verwendet werden, um bei Patienten nach radikaler Prostatektomie mit schwerer Inkontinenz und gleichzeitig zu enger Harnröhre den Blasenhals zu verschließen und ihnen eine regelmäßige Urinableitung über einen dünnen Einmalkatheter bei vollständiger Kontinenz zu ermöglichen.

Die häufigste Form der Harnableitung ist das sogenannte Ileum Conduit, da die kontinenten Ersatzblasen bei Patienten über 75 Jahren – ¾ unserer Patienten mit Harnblasenkarzinom sind älter als 75 Jahre – zu schlechten Kontinenzraten führen. Dabei werden 12-15 cm Dünndarm ausgeschaltet, an das eine Ende des Dünndarms die Harnleiter genäht und das andere Ende des Dünndarms in die Bauchhaut eingepflanzt. Mit modernen selbstklebenden Beutelsystemen hat der Patient zwar einen sichtbaren Ausgang, kann jedoch trotzdem ganz normal am sozialen Leben teilnehmen und muss lediglich alle paar Stunden den sich füllenden Urinbeutel über der Toilette entleeren. Alle 2-3 Tage ist es dann notwendig, neue Beutelsysteme zu kleben.

Bei sehr fortgeschrittenen Tumoren oder sehr alten Patienten gibt es auch die Möglichkeit, beide Harnleiter direkt in die Haut einzupflanzen. Diese sog. sog. Ureterocutaneostomie ein komplikationsarmes Verfahren mit dem Problem, dass immer wieder zur Vermeidung von narbigen Engen im Hautniveau Splints eingelegt werden müssen, sodass dieser Eingriff nur bei sehr alten Patienten durchgeführt wird.

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