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IM NOTFALL DARF ERFOLG KEIN ZUFALL SEIN

Zwischen Wehwehchen und dem Kampf ums Überleben: Funktionsfachkrankenpfleger Dittmar Happel sieht als ZNA-Manager den ganzen Menschen

 

Hochbetrieb in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) des Klinikums Fulda. Echte Notfälle, Menschen mit kleinen Wehwehchen und solche, die nicht lange auf einen Termin beim Facharzt warten wollen, drängen sich im Wartebereich und vor dem Aufnahmetresen. „Den Überblick behalten und einen kühlen Kopf bewahren, sonst wird’s hier kritisch“, sagt Dittmar Happel, ZNA-Manager am Klinikum Fulda. Dort suchen nahezu 4000 Patienten im Monat medizinische Hilfe. Das sind mehr als 130 am Tag, und die Zahl steigt immer weiter. Dittmar Happel ist der erste ZNA-Manager in Deutschland. Zuvor war er einer der ersten deutschen ZNA-Notfall-Koordinatoren. „Der ZNA-Notfall-Koordinator benötigt viel fachliches Wissen. Patienten, die Hilfe erhoffen, wollen nicht lange warten. Der Koordinator entscheidet, welcher Patient aufgrund seiner Krankheitssymptome und einer eventuell vorliegenden Diagnostik mit welcher Dringlichkeit behandelt werden muss. Aber der Notfall- Koordinator braucht auch ein Höchstmaß an Sozialkompetenz. Viele Patienten der Notaufnahme haben Schmerzen und Angst. Der Notfall-Koordinator muss den Menschen ganzheitlich sehen, sonst ist er fehl am Platz“, sagt Dittmar Happel. Als Krankenpfleger kennt er die Abläufe in deutschen Notaufnahmen seit 32 Jahren.

Ergänzung für die Bereichsleitung der Notaufnahme

Dittmar Happel stammt aus Angersbach im Vogelsberg, absolvierte seine Ausbildung zum Krankenpfleger in Frankfurt, arbeitete in der Notaufnahme des Klinikums Offenbach und qualifizierte sich berufsbegleitend über zwei Jahre zum Funktionsfachkrankenpfleger. Er absolvierte zwei zusätzliche Weiterbildungen für das mittlere Management, er hospitierte und bildete sich im In- und Ausland fort. Im Jahr 2000 erfuhr Dittmar Happel, dass das Klinikum Fulda eine „Ergänzung für die Bereichsleitung der Notaufnahme suchte, und meine Frau, die bei pro Familia arbeitete, unsere Tochter und ich – wir wollten ohnehin wieder in den Vogelsberg.“ Familie Happel kehrte zurück in die Heimat. Das Klinikum Fulda und Dittmar Happel haben im Aufbau und der Optimierung der Notaufnahme Pionierarbeit geleistet. Die ZNA ist für den Patienten und das Gesundheitssystem gleichermaßen wichtig, ja im Einzelfall sogar überlebenswichtig, „denn wenn wir den Weg des Patienten schon bei uns, an der Pforte  sozusagen, richtig bahnen, nur dann behandeln wir wirklich bedarfsgerecht, und wir konzentrieren die stets knappen finanziellen Ressourcen, die die Versicherten und der Staat aus öffentlichen Kassen gezahlt haben, dort, wo sie am besten angelegt sind: nämlich in einer möglichst optimierten Versorgung.“

Reform der Notaufnahmen

Richtig interessant wurde es von 2005 an. „Es war das Jahr für eine Reform der Notaufnahmen“, sagt Dittmar Happel: „In den meisten Krankenhäusern waren die Notaufnahmen bis dahin eher ein Art ,Stiefkind‘. Jede Fachabteilung im Haus hatte ihre eigene kleine Notaufnahme, eigenständige, alle Disziplinen überspannende Einheiten gab es nicht und häufig wurde die Entscheidung, welche Fachabteilung zur Aufnahme vom Rettungsdienst angefahren wurde, eher zufällig getroffen.“ Die Deutsche Gesellschaft für interdisziplinäre Notaufnahmen, die heute „Deutsche Gesellschaft für innerklinische Notfallund Akutmedizin (DGINA)“ heißt, beging ihre Gründungsveranstaltung damals gleichsam im Klinikum Fulda. Dr. Barbara Walther, die seinerzeit leitende Abteilungsärztin für die Notaufnahme in Fulda, warb darum, die Bedeutung der richtigen Ersteinschätzung für die Notfallbehandlung zu erkennen. Aus der Katastrophenmedizin und aus dem Militär ist die richtige Ersteinschätzung als Triage bekannt. „Barbara Walther, die heute Hogan heißt, war später Präsidentin der DGINA und brachte den Stein ins Rollen. Wer weiß, wo wir ohne ihre Initiative, die vom Klinikum Fulda ausging, heute stünden in Deutschland?“, fragt Dittmar Happel. In der Weiterentwicklung der Ersteinschätzung in der Notaufnahme blieb das Klinikum Fulda ein Pionier. Von 2007 an leitete Prof. Dr. André Grieß das Team der Notaufnahme. Die Triage wurde optimiert und die Position des Notfall-Koordinators geschaffen, die Dittmar Happel zunächst übernahm. Damals suchten 1800 Menschen die Notaufnahme im Monat auf, weniger als die Hälfte verglichen mit der heutigen Zahl. 2011 übernahm die Anästhesistin Dr. Petra Zahn die Leitung der Notaufnahme in Fulda. „Mit Frau Dr. Zahn ist erheblich mehr Struktur in die Notaufnahme gekommen und der weitere Ausbau der Triage, der Koordination und des Teams wurden voran getrieben“, sagt Dittmar Happel. 2011 wurde innerhalb der Triage die Informationstechnologie zur Patientensteuerung und Dokumentation verbessert, sukzessive ausgebaut und technisch auf höchstes Niveau gebracht.

Zentrales Belegungsmanagement

2012 entschied der Vorstand des Klinikums, dass die Zentrale Notaufnahme das Belegungsmanagement für Patienten steuern solle, die als Notfall ins Klinikum aufgenommen werden. Seither regelt die Verfahrensanweisung „Zentrales Belegungsmanagement“ den Übergang der Patienten von der ZNA auf die Stationen. 2013 führte das Klinikum den Emergency Severity Index (ESI) ein, ein wissenschaftlich evaluiertes Triagesystems, das die Schwere des Notfalls ermittelt, die Patienten ordnet und die maximale Zeit, bis ein Arzt den Patienten anschaut, festlegt. „Denn in einer Notaufnahme geht es nicht nach dem Prinzip „first come – first serve“, sagt Dittmar Happel, „und natürlich haben wir hier in Fulda das System der ESI-Triage erweitert und verfeinert und fühlen uns auch in diesem Bereich als Pioniere in Deutschland.“

Entwicklungen dank Pionierleistungen

Die Notaufnahme am Klinikum Fulda hat sich dank dieser Pionierleistungen weit entwickelt. „Bei uns ist alles strukturierter geworden. Wir haben mehr Qualität. Innerhalb von zehn Minuten gibt es den Erstkontakt mit einem Entscheider, der den Versorgungsbedarf des Patienten beurteilen kann. Vor 2008 war solch eine schnelle Ersteinschätzung undenkbar“, sagt Dittmar Happel. Darum gebe es heute drei Koordinatoren in der Fuldaer ZNA. Das evaluierte Triagesystem ermögliche eine Entscheidung über die Erstbehandlung des Patienten, die an begründeten und nachprüfbaren Kriterien ausgerichtet sei. Vieles habe sich unter der Leitung von Dr. Petra Zahn verändert: „Wir haben das 2012 etablierte Belegungsmanagement erweitert. Bis 2016 waren häufig bis zu 100 unserer 1100 Betten aus verschiedenen Gründen gesperrt, heute sind es im Durchschnitt nur noch 40 Betten. Die Behandlungspfade werden für die Patienten immer früher festgelegt. Wir haben jetzt eine Physician Assistant (PA) – eine Arztassistentin – in der Notaufnahme, die aufgrund ihrer Ausbildung eine arztunterstützende Tätigkeit übernimmt und die Ärzte erheblich entlastet, so dass die Prozesse beschleunigt wurden.“

Stetige Professionalisierung

Die Verankerung der Zentralen Notaufnahme im Klinikum bleibe eine große Aufgabe „Und wir professionalisieren uns immer weiter“, sagt Dittmar Happel, der seit 2016 den neugeschaffenen Posten des ZNA-Managers übernommen hat. „Mit der neuen ZNA im INO-Zentrum, die wir im Juni beziehen werden, geht für das Team so was wie ein Traum in Erfüllung“, sagt Happel.

Kurze Wege, moderne und großzügige Räumlichkeiten, Medizintechnik auf höchstem Niveau:

Zwei Schockräume auf WeltNiveau mit 128-Zeilen-CT, das Ganzkörper-Aufnahmen in weniger als 10 Sekunden ermöglicht, Kommunikationstechnik vom Feinsten, und, und, und …“ kommt der ZNA-Manager ins Schwärmen. Und schließlich zum Projekt „ZNA 3.0“, mit dem die Patienten gemäß ihres Bedarfs geleitet werden: „In die Zentrale Notaufnahme, zum ärztlichen Bereitschaftsdienst der niedergelassenen Ärzte, ins Elektive Patientenmanagement-Center für planbare Eingriffe oder unmittelbar in die stationäre Versorgung im Klinikum.“ Hierfür wurden nochmals synergetisch die personellen Prozesse in der  ZNA neu abgestimmt. Dennoch wird es auch in der neuen ZNA immer mal wieder voll werden, da ist sich Happel sicher: „Echte und gefühlte Notfälle lassen sich nicht steuern, Wartezeiten nicht vermeiden.“ Er sieht die steigende Patientenzahl als Spiegelbild der gesellschaftlichen Veränderung. Es gebe mehr alte Menschen, die an mehreren und komplexeren Krankheiten zugleich litten, während in der Peripherie die Hausarztpraxen schließen. Zahlreiche junge Menschen haben nach den Beobachtungen Happels erst gar keinen Hausarzt mehr. Sie hielten sich für gesund und gingen direkt in die Notaufnahme, wenn sie meinten, einen zumutbaren Leidensdruck zu verspüren. Die Menschen mit Migrationshintergrund wiederum kommen häufig aus Ländern, in denen es kein flächendeckendes Gesundheitssystem oder Hausärzte gibt. Sie kennen es nicht anders, als sich auf den häufig weiten Weg in ein großes Krankenhaus zu begeben, wenn sie Hilfe suchen.

Vielfalt in den täglichen Herausforderungen und Verantwortung für die Zukunft

Umso wichtiger ist es für den ZNA-Manager, die Prozesse und Strukturen immer besser zu verstehen und weiter zu optimieren. Der Dienst am Menschen beginnt für Dittmar Happel jeden Montag mit der statistischen Erfassung der abgelaufenen Woche. Das ist für den ZNA-Manager, der aus der Krankenpflege kommt, kein Widerspruch, sondern die Voraussetzung für verantwortbares Handeln. Vielfalt in den täglichen Herausforderungen und Verantwortung für die Zukunft kennzeichnen seinen Beruf, damit Erfolg kein Zufall bleibt. Seit 2007 wertet Dittmar Happel Daten systematisch aus und legt damit den Grund für die Optimierung der Prozesse.

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